Archivtag 2016

Wer sich mit den Archiven in den Mutterhäusern des Kaiserswerther Verbandes beschäftigt und dafür verantwortlich ist, steht vor vielen Fragen. Eine ist sehr häufig: „Kann das weg, oder müssen wir dies behalten?“ das Thema des „Bewertens“ und „Kassierens“ stand so im Mittelpunkt des ersten Vortrages des diesjährigen Archivtages der Fliedner-Kulturstiftung für die Archivarinnen und Archivare in den Mutterhäusern der Kaiserswerther Generalkonferenz, der am 26. April 2016 in Kaiserswerth stattgefunden hat.

Der Direktor des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Stefan Flesch, referierte über das Thema „Archivische Bewertung in der Praxis“. Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen (Bewertung bedeutet „einen Informationsverlust zu organisieren und optimal zu steuern“) sowie Hinweisen zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen erläuterte er das mögliche praktische Vorgehen. Wichtig ist, dass man bei der Entscheidung, was weg kann, die gesamte Einrichtung und ihre Tradition im Blick hat und sich nicht allein von tagesaktuellen Erwägungen kein Platz, war nicht erfolgreich …) leiten lässt. Auch sollte man die Entscheidung in die Hand der Profis (=Archivmitarbeiter) legen und nicht von anderen treffen lassen.

Die vielen Fragen und Diskussionsbeiträge machten deutlich, wie wichtig dies Thema in fast allen Häusern ist. Ein Vortrag zum Aufbau des geordneten Archivs im Diakoniewerk Gallneukirchen von Eva Obermayr, der zuständigen Mitarbeiterin sowie Dr. Harald Jenner, der das Archiv aufgebaut hat, illustrierten dies sehr deutlich. In Gallneukirchen sind die Bedingungen für das Archiv nun sehr gut.

Ein anderer Aspekt wurde im Vortrag von Dr. Annett Büttner von der Fliedner-Kulturstiftung angesprochen. Die Relevanz des historischen Archivs für die Vorbereitung von Jubiläen oder auch für manche juristische Frage (z.B. Grundstücksfragen) ist deutlich. Doch es gibt noch viele weitere Aufgaben. Sie berichtete über „Arbeit mit Quellen im Fach Pflegegeschichte“. In vielen Einrichtungen bestehen Ausbildungsstätten, nicht allein für die Krankenpflege. Immer spielt auch die Geschichte des Berufes eine Rolle im Unterricht, es liegt nahe, dies an lokalen diakonischen Beispielen zu tun. An Beispielen aus der Kaiserswerther Mutterhausdiakonie wurde dies erläutert, verbunden mit der Anregung, in den eigenen Archiven gezielt nach Quellen (Handschrift, Bilder, Gegenstände) zu suchen und diese im Unterricht zu benutzen.

Das nächste Treffen wird am 25. April 2017 in Kaiserswerth stattfinden.